Ювента - Ассоциация выпускников и друзей;pdf

Studienreise nach Saratov
Russland, Ukraine, Donnbass, Neurussland, Krim, Donezk - diese Begriffe dominierten in
den vergangenen Monaten die Medien in Deutschland und Europa. Der Ukrainekonflikt warf
kein gutes Licht auf Russland – zumindest aus Sicht vieler Westeuropäer. Eine Gruppe
Studierenden unserer Hochschule durfte sich vom 11. bis zum 19. Oktober ein eigenes Bild
von Russland verschaffen. Auf Einladung des „Stolypin Wolga-Instituts für Verwaltung der
Russischen Akademie für Wirtschaft und öffentliche Verwaltung “ in Russland fuhren 10
Studierende und zwei Professoren der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen
Ludwigsburg nach Saratov und nahmen an den „Deutschen Tagen in Saratov“ teil. Die
diesjährige Konferenz stand unter dem Motto „Russland und Deutschland: Lernen aus Krieg
und Frieden“ und war dem 100. Jahrestag des ersten Weltkrieges gewidmet.
Die Konferenz stand auch im Zeichen der Ukrainekrise. Einige Referenten warfen kritische
Fragen in Bezug auf das Vorgehen Russlands in der Ukraine auf. Andere
Konferenzteilnehmer warben um Verständnis für die russische Politik und bemängelten eine
einseitige Sichtweise des Westens – vor allem auch die unkritische Haltung des Westens
gegenüber der ukrainischen Regierung. Konsens bestand darin, dass durch die
Ukrainekrise die deutsch-russischen Beziehungen nicht dauerhaft beschädigt werden dürfen.
So warben die Konferenzteilnehmer für ein besseres Verständnis der jeweils anderen Seite.
Die Organisatoren der Konferenz ermöglichten auch einen intensiven Meinungsaustausch
zwischen den Studierenden der beiden Hochschulen. In der Arbeitsgruppe „Bilder von
Deutschland und Russland bei Jugendlichen“ fand ein intensiver Austausch der
Studentinnen und Studenten zu verschiedenen Themen statt.
Das Rahmenprogramm beinhaltete neben der Konferenz noch weitere sehr eindrucksvolle
und interessante Einblicke in die russische Verwaltung.
Ein Besuch im Saratover Museum ermöglichte einen Blick in die stark deutsch geprägte
Vergangenheit von Saratov und seiner Nachbarstadt Engels. Die Entwicklung der Stadt
wurde wesentlich von deutschen Siedlern vorangetrieben. Mit der Deportation der
deutschstämmigen Bevölkerung durch Stalin fand dies ein jähes Ende. Unsere russischen
Begleiter sehen dieses Vorgehen heute durchaus sehr kritisch.
Am folgenden Tag besuchte die Gruppe ein ehemals deutsches Dorf in der Umgebung von
Saratov. Dort wurde den Studierenden eine Schule gezeigt und ein Projekt zur touristischen
Aufwertung des Dorfes erläutert.
Ein Gespräch in der örtlichen Duma, bei dem auch Vertreter des Jugendparlaments
anwesend waren, gewährte einen Einblick in das Gesetzgebungsverfahren Russlands.
Deutlich wurde dabei auch, dass die Gesetzgebung, wie auch in Deutschland, durch die
Parlamente, Dumas, der Regionen, Oblasts, durchaus beeinflusst werden kann.
Highlights waren sicher auch der Besuch des Bosch-Werks in Engels und ein Opernbesuch.
In Engels beindruckte die Produktionsstätte der Firma Bosch. Auch das offene, ehrliche
Gespräch mit dem dortigen Standortleiter war sehr aufschlussreich, auch für unsere
russischen Begleiter. An diesem Tag begleiteten uns mehrere Professorinnen der
Wirtschaftsfakultät. In der Oper verzauberte uns „Figaros Hochzeit“ von Mozart.
Zum Gelingen des Austausches trug auch bei, dass wir von russischen Studierenden
begleitet wurden. Die Studentinnen und Studenten aus Ludwigsburg kamen auf diese Weise
schnell in Kontakt mit den dortigen Studierenden. Neben vielem neuem fachlichen Wissen
wurde so auch die interkulturelle Kompetenz der Studentinnen und Studenten gestärkt.
Die 15stündige Zugfahrt von Moskau nach Saratov und zurück war ebenfalls ein ganz
besonderes Erlebnis. Die für deutsche Verhältnisse extrem langen Nachtzüge (bis zu 20
Waggons) boten ausreichenden Komfort, ein Restaurant und viel Gelegenheit in Kontakt mit
Mitfahrenden zu kommen und sich auszutauschen.
Den Abschluss der Studienreise bildeten eineinhalb Tage Moskau. Bei, aus unserer Sicht,
eisiger Kälte mit Schneeschauern besuchte die Gruppe den Kreml und andere
Sehenswürdigkeiten in Moskau.
Die Studierenden und die Professoren sind beeindruckt von der Gastfreundschaft der
Russen – sowohl seitens der Partnerhochschule als auch von der Bevölkerung allgemein. In
dieser sehr intensiven Woche ergaben sich viele neue Kontakte, Einblicke in das Leben und
in die Verwaltung Russlands. So hat allein schon diese Studienreise, dem Thema der
Konferenz „Russland und Deutschland: Lernen aus Krieg und Frieden“ entsprechend, dazu
beigetragen die Völkerverständigung voranzubringen. Gerade solche Studienreisen mit den
sich dabei ergebenden Möglichkeiten, Einblicken in die Mentalität der verschiedenen Länder
zu bekommen, tragen zum gegenseitigen Verständnis und damit zum dauerhaften Frieden in
Europa bei.
Prof. Margarete Berndt und Prof. Stefan Faiß