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Kultur
Donnerstag, 16. Oktober 2014 / Nr. 239 Neue Zuger Zeitung
NACHRICHTEN
Roswitha-Preis
an Leutenegger
9
Die lange Suche nach dem Ich
LITERATUR sda. Die aus Schwyz
stammende Autorin Gertrud Leutenegger (66) erhält den diesjährigen Roswitha-Preis, den ältesten
deutschen Literaturpreis für
Schriftstellerinnen. Das gab die
niedersächsische Stadt Bad Gandersheim gestern bekannt. Der
Preis ist mit 5500 Euro dotiert.
Die Poetik dieser «ungewöhnlichen Schriftstellerin lebt von den
stillen Tönen», urteilte die Preisjury. Leutenegger war zuletzt
beim diesjährigen Deutschen
Buchpreis mit ihrem jüngsten Roman «Panischer Frühling» bis in
die Endausscheidung gelangt. Mit
dem Buch ist sie auch für den
Schweizer Buchpreis nominiert,
der am 9. November an der
Buchmesse in Basel vergeben
wird.
Lesung mit
Reto Hänny
ZUG red. Seit der Schriftsteller Reto
Hänny 15 Jahre alt war, wollte der
1947 Geborene «Blooms Schatten»
schreiben. Damals erhielt er von
seinem Kantilehrer den Auftrag,
James Joyce’s «Ulysses» zu lesen,
und zwar zu therapeutischen Zwecken gegen seine Legasthenie. Und
seither habe ihn der «Ulysses» nicht
mehr losgelassen, meint der Autor
aus Zollikon heute. Die Folge war
Hännys literarische Auseinandersetzung mit dem legendären Jahrhundertroman des irischen Schriftstellers, der im Januar 1941 in Zürich
verstarb.
Ein Tag im Leben des L. Bloom
Reto Hänny hat in seinem Roman
«Blooms Schatten» eine über 130
Seiten lange Periode abgefasst, die
ähnlich wie bei «Ulysses» einen Tag
aus dem Leben des Leopold Bloom
wiedergibt. Das beginnt bereits am
Morgen mit der Zubereitung des
Frühstücks für seine untreue Ehefrau
über den Gang zur Post, zur Bibliothek, ins öffentliche Bad bis zum
abendlichen Saufgelage in einer Kneipe, dem folgenden Absturz in einem
Puff und der anschliessenden Heimkehr ins Ehebett.
Die Literarische Gesellschaft Zug
führt nächsten Mittwoch eine Vorlesung durch. Der Autor Reto Hänny
liest aus «Blooms Schatten».
HINWEIS
«Blooms Schatten», Lesung von und mit Autor
Reto Hänny am Mittwoch, 22. Oktober, 20 Uhr
in der Bibliothek Zug, St.-Oswalds-Gasse 21.
Informationen unter www.literarische.ch
Die Schweiz ist ihre Wahlheimat. Doch ihre Wurzeln sind woanders. Die Suche danach führen Ufuk Emiroglu
um die halbe Welt. «Mon père, la révolution et moi» ist ein aufwühlendes Filmdokument.
PD
ZUG Die Revolution, die sie
nie erlebt hat, hat sie geprägt:
Eine junge Türkin dokumentiert ihre Spurenfindung und
ist bei der Fliz-Filmvorführung
im Kino Gotthard live dabei.
ANDREAS FAESSLER
[email protected]
Ufuk Emiroglu wird kurz nach Ende
der Revolutionsunruhen in der Türkei
um 1980 geboren. Ufuk, auf Deutsch
«Horizont», ist der Spross einer Hoffnung. Einer Hoffnung auf eine bessere
Welt, wo der kommunistische Gedanke
überwiegt und Faschismus und Korruption keinen Platz haben. Ufuks Vater war
ein Revolutionär, kämpfte für sein Ziel
und seine Familie, war ein Held für das
Mädchen, wurde nach der Machtübernahme durch das Militär schwer gefoltert
und verfolgt. Es blieb der jungen Familie nichts anderes übrig, als Hals über
Kopf ins Ausland zu fliehen. Zuerst nach
Paris, ein Jahr später nach La Chaux-de-
Fonds im Neuenburger Jura. Hier empfing sie eine heile Welt – dem ersten
Anschein nach. Doch in dieser wohlgeordneten Demokratie galt es wohl
nicht mehr, gegen Repression zu kämpfen. Der Kampf hier galt der Lange­weile.
Ufuk integrierte sich zwar hervorragend in ihre neue Heimat, doch ihr
Vater geriet in einen Falschgeldring
und kassierte vier Jahre Haft. Es stand
eine harte Zeit für die nunmehr alleinerziehende Mutter an – Ufuk hatte
mittlerweile einen Bruder erhalten. Aus
dem Gefängnis entlassen, verfiel der
Vater dem Alkohol und dem Glücksspiel, die Mutter liess sich scheiden.
«Aus dem Held meiner Kindheit ist ein
Versager geworden», so die resignierenden Worte Ufuks.
Beginn der Aufarbeitung
Für die junge Schweizer Türkin beginnt an diesem Punkt die Suche nach
der Gesellschaft, in der sie sich heimisch
fühlt, eine Suche nach sich selbst. Diese beginnt bei den Wurzeln: Spurensuche in Istanbul und Ankara. Ufuk
besucht Orte, an die sie sich kaum mehr
erinnern kann und die sie lediglich von
den Erzählungen ihres Vaters kennt.
Vergeblich sucht sie nach einstigen Gesinnungsgenossen ihres Vaters. Es ist
der Beginn der langen Aufarbeitung
ihrer frühen Kindheit, die sie offenbar
auf eine gewisse Weise traumatisiert hat,
so dass sie später an Panikattacken
leiden wird, die sie nur durch mühselige Therapien in den Griff bekommt.
Wo sind ihre Wurzeln?
Ufuk zieht aus, lebt das aufregende
Leben ihrer Generation, reist durch die
Welt und startet das Studium an einer
Filmakademie. Doch die Vergangenheitsbewältigung ist bei weitem nicht
abgeschlossen. Ufuk besucht Kommunen und Gruppierungen, die sich ihren
ureigenen Gesellschaftsentwurf kreiert
haben. Sei es der Revolutionsstaat Kuba,
das Kommunistendorf Twin Oaks in
Virginia, die autonome Freistadt Christiania in Kopenhagen – nichts davon
scheint zu ihren Wurzeln zu passen.
Erst als die Türkin im Alter von 32
Jahren erneut nach Istanbul reist und
eher per Zufall von einem Treffen ehemaliger Revolutionäre erfährt, glaubt sie,
endlich zu sich selbst gefunden zu haben. Ihre Wurzeln sind da, wo sie immer
waren – «Jetzt weiss ich, wer ich bin.»
«Mon père, la révolution et moi» von
Ufuk Emiroglu ist eine Art Autobiografie oder die Dokumentation einer
langwierigen Ich-Findung. Ihre eigene
Lebensgeschichte, die stark von den
Erzählungen des Vaters, der Flucht in
die Fremde und der Suche nach dem
Ich geprägt ist, wird in diesem Film
anschaulich wiedergegeben. Mal wirkt
Ufuk hinter der Kamera, mal vor der
Kamera im Gespräch mit Mutter oder
Vater. Um ihre Geschichte bildlich zu
rekonstruieren, bedient sich die Filmemacherin einer cartoonähnlichen
Technik ganz à la Monty Phyton. Das
mag der an sich schweren Materie
zuweilen etwas Heiterkeit verleihen
und wirkt überraschend effektvoll und
durchweg aussagekräftig.
«Mon père, la révolution et moi» ist
die aufschlussreiche Dokumentation
eines bewegten jungen Lebens, ohne
grosse Aufregung in Szene gesetzt und
doch tiefe Einblicke gebend.
HINWEIS
Der Fliz Filmklub Zug zeigt «Mon père, la
révolution et moi» am Dienstag, 21. Oktober,
20 Uhr im Kino Gotthard. Die Regisseurin
Ufuk Emiroglu ist anwesend.
Die Prophezeiung des Seattle
Kennedy trifft Bach
LUZERN Molto Cantabile
führt ein neues Werk des
Zuger Komponisten Carl Rütti
auf. Auch der Chor selbst
erlebt dabei eine Premiere.
ZUG Staraufgebot im Theater Casino: Topgeiger Nigel
Kennedy interpretiert Bach
und eigene Arrangements
anderer Komponisten.
red. International ausgezeichnete Musiker – namentlich der junge Tenor
Mauro Peter und das Raschèr Saxophone Quartet – treten am 23. Oktober
im KKL zusammen mit dem Chor Molto Cantabile auf. Im Zentrum des Konzertprogramms «erahnt» steht die Uraufführung von «Seattle’s Prophecy» des
Zuger Komponisten Carl Rütti. Es handelt sich dabei um eine Vertonung der
bekannten Rede des Indianerhäuptlings
Seattle von 1854. Ergänzt wird die musikalische Interpretation mit Kommentaren des Zuger Autors und alt Ständerats Andreas Iten. Lislot Frei, Redaktionsleiterin Musikjournalismus SRF 2
Kultur, wird ins Konzert einführen und
ein Gespräch zwischen dem musikalischen Leiter Andreas Felber, dem Komponisten Carl Rütti und dem Autoren
Andreas Iten moderieren.
fae. Wer klassische Musik mit Spiessbürgertum in konservativ-eleganter
Kleidung assoziiert, wird den Stil spätestens mit Nigel Kennedy ganz neu
erfahren. Der britische Stargeiger pustet der Klassik auch den letzten Staub
aus der Kimme. Er hält wenig vom
althergebrachten Erscheinungsbild des
klassischen Violinisten, vielmehr rebelliert er dagegen und gibt sich provokativ, indem er gern mal im casual
Strassenlook und mit Punktolle auftritt
und somit das Enfant terrible auf
seinem Gebiet mimt. Er hat schlichtweg keine Lust auf die übliche Gediegenheit eines klassischen Konzerts.
Umso eindrucksvoller kommt darum
sein Toptalent rüber. Einer Musikerfamilie entstammend, gab Kennedy im
Alter von 19 Jahren sein Konzertdebüt
in der Londoner Royal Festival Hall
Der Luzerner Chor Molto Cantabile.
PD
Mit dieser unüblichen musikalischen
Besetzung wird tüchtig am Rad der Zeit
gedreht, und es werden Werte in die
Gegenwart geholt, die unsere Ahnen vor
Jahrhunderten einforderten. Der Luzerner Chor Molto Cantabile ist bereits bei
zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben als Sieger hervorgegangen. Das Ensemble betreibt eine
rege Konzerttätigkeit und präsentierte
sich in den vergangenen Jahren mit
eigenen Konzertprogrammen einem breiten Publikum. Für die Sängerinnen und
Sänger von Molto Cantabile ist «erahnt»
das erste eigene Bühnenprojekt im KKL.
HINWEIS
«erahnt» mit dem Chor Molto Cantabile im KKL
Luzern am Donnerstag, 23. Oktober, 19.30 Uhr.
Einführung um 18.30 Uhr.
unter der Leitung von Riccardo Muti.
Seine regelmässigen Auftritte mit den
Berliner Philharmonikern ab 1980 brachten dem Geiger zunehmend Popularität
und ebenso die Kooperationen mit weiteren Orchestern von Weltformat. Besondere Beachtung fand Nigel Kennedys
Einspielung von Antonio Vivaldis «Vier
Jahreszeiten» im Jahr 1989. Das Album
ist bis heute das meistverkaufte Klassikalbum überhaupt und schaffte es ins
Guinness-Buch der Rekorde. Ebenfalls
überaus erfolgreich war das Album «Kennedy plays Bach» aus dem Jahr 2000. Und
mit Johann Sebastian Bach beehrt Nigel
Kennedy diesen Freitag Zug. Auf seiner
Violine interpretiert er zusammen mit
Adam Czerwinski (Perkussion, Schlagzeug), Rolf Bussalb, Doug Boyle (Gitarre)
und Tomasz Kupiec (Kontrabass) Bachs
Präludium aus der Partita Nr. 3 sowie das
Andante und das Allegro aus der Sonate
Nr. 2. Zusätzlich gibt das Ensemble von
Kennedy persönlich arrangierte Kompositionen von George Gershwin, Fats Waller und anderen zum Besten.
HINWEIS
Nigel Kennedy meets Bach im Theater Casino Zug
am Freitag, 17. Oktober, 20 Uhr. Das Konzert ist
ausverkauft. Restkarten an der Abendkasse.
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