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Zug
Sonntag, 12. Oktober 2014 / Nr. 41 Zentralschweiz am Sonntag
17
Zuger Erfindung soll die Welt erobern
CHIRURGIE Dank Christoph
Weber wird die Implantation
von Knieprothesen einfacher.
Dabei hat er sich früher um
das Innenleben von Autos
gekümmert.
SILVAN MEIER
[email protected]
Ein Zuger revolutioniert die Knieprothesen-Operation. Das könnte man mit
Fug und Recht behaupten. Doch dagegen
wehrt sich Christoph Weber, der gelernte Automechaniker. Der Zuger betont
immer wieder, wie wichtig das Team
gewesen sei. Trotzdem fängt die Geschichte mit dem 42-jährigen Zuger an.
Weber hat sich vor rund 14 Jahren beruflich neu orientiert und die Werkstatt mit
dem Aussendienst getauscht. Er fand eine
Stelle als Produktspezialist für Knieprothetik bei einer Medizinfirma. «Ich habe
in Spitälern Knieprothesen vorgestellt
und verkauft», erklärt Weber. Zu seiner
Arbeit gehörte es auch, das Personal zu
schulen, zu unterstützen und bei Implantationen zu begleiten. In den Operationssälen lernte er die verschiedenen
Operationsphilosophien kennen. Die
eine basiert vereinfacht gesagt auf den
Knochen. Man verwendet individuell auf
den Patienten angepasste Blöcke für den
Knochenschnitt. Dabei wird jedoch der
Bandapparat des Knies nicht berücksichtigt. Die andere, die Weichteil-Variante, orientiert sich hingegen genau daran.
Das Knie soll ausbalanciert sein. Doch
auch hier kann es zu Ungenauigkeiten
kommen, die durch weitere Knochenschnitte korrigiert werden müssen. Dies
läuft dem Bestreben entgegen, den Verlust von Knochensubstanz so minim wie
möglich zu halten.
Matthias Schmied,
leitender
Orthopäde
am Zuger
Kantonsspital
Weshalb hat es
so lange gedauert?
Matthias Schmied ist leitender Orthopäde am Zuger Kantonsspital und Spezialist für Knieprothetik. Er hat an der
Entwicklung der neuen Technik, die
das Kniegelenk während der Operation
simuliert, mitgearbeitet und wendet sie
auch seit drei Jahren an.
Weshalb hat Sie die neue Operationsmethode überzeugt?
Matthias Schmied: Weil sie so simpel
und sicher ist. Die Technologie ist präzise und auf den Patienten bezogen. Wir
haben das, was es seit Jahren gibt, mit
einem weiteren sinnvollen Schritt ergänzt.
Das war auch mir wichtig: Ich wollte nicht
alles komplett neu. Das ist immer heikel.
NACHGEFRAGT
Grundsätzlich kann jeder Orthopäde bei
Bedarf seine eigene Knieprothesen-Technik mit dieser Innovation ergänzen. Die
Methode hat den grossen Vorteil, dass
die Schnittblöcke die endgültige Prothese simulieren. Ich kann während der
Operation die Prothesenposition bereits
zu Beginn anpassen und dann den Schnitt
durchführen. Früher musste ich je nachdem einen Fehler mit einem weiteren
korrigieren. Wichtig ist, dass wir bei einer
Implantation möglichst wenig Knochensubstanz verlieren. Das ist nun gegeben.
Die Technik scheint einfach zu sein.
Weshalb hat es dann so lange gedauert, bis sie jemand entwickelt hat?
Schmied: Ich weiss nicht, weshalb niemand auf die Idee gekommen ist. Die
besten Lösungen sind ja oft die ganz
einfachen. Ansätze und Anläufe gab es
immer wieder. Aber es ist niemandem
gelungen. Allerdings ist zu sagen, dass
das Knie ein kompliziertes Gelenk ist.
Es ist mehr als nur ein Scharnier. Das
hat man erst mit der Zeit erkannt.
Sie haben mittlerweile gegen 200
Knie mit der neuen Technik operiert.
Wie sieht das Fazit aus?
Schmied: Jede Operation und jeder postoperative Verlauf werden genau dokumentiert. Die Resultate sind viel versprechend. Auch die Rückmeldungen der
Patienten sind positiv. Und dass eine
grosse Firma das Patent von Christoph
Weber übernimmt, zeigt, dass wir auf
einem guten Weg sind.
Wie ist es für Sie als Arzt, an der
Entwicklung der neuen Operationsmethode beteiligt zu sein?
Schmied: Für mich ist das aussergewöhnlich. Ich bin sehr froh, dass ich einen
Beitrag leisten konnte. Dass diese weltweit neue orthopädische Operationstechnik im Zuger Kantonsspital mitentwickelt wurde, ist schon etwas sehr
Spezielles.
SILVAN MEIER
[email protected]
kann danach millimetergenau und ohne
weiteren Substanzverlust erfolgen. «Die
neue Methode basiert auf Hightech», sagt
Weber. «Und doch ist sie so einfach anzuwenden wie Lego.»
«Die Brücke geschlagen»
Hightech, aber einfach wie Lego
«Ich habe diese Schwierigkeiten gesehen», sagt Christoph Weber, «und wollte die Vorteile der beiden Methoden
vereinen.» Vor vier Jahren hatte er die
zündende Idee und meldete diese zum
Patent an. Unterstützung erhielt er von
Massimo Tommasino. Tommasino ist ein
Schulkollege von Weber und führt in
Baar die Firma Swiss Synergy, die Knieund Hüftgelenk-Prothesen der amerikanischen Firmen Wright und Microport
in der Schweiz vertreibt. Die Vision der
beiden Freunde: Nach dem ersten Schnitt
am Schienbeinknochen soll ihr neu entwickelter Schnittblock das Kniegelenk so
simulieren, als ob die definitive Prothese bereits implantiert sei. Der Block ist
mehr als nur ein Distanzhalter, er kann
in der Position so angepasst werden, dass
die Weichteile optimal balanciert sind.
Der Schnitt am Oberschenkelknochen
Orthopäde Matthias Schmied (Mitte) hat bereits rund
200 Knieprothesen mit der neuen Technik implantiert.
Bild Dominik Hodel
Mit seiner Idee im Gepäck hat Christoph Weber bei Orthopäden und Kniespezialisten vorgesprochen. Die Ärzte
Peter Mewe (St. Gallen), Heinz Bereiter
(Chur) und Matthias Schmied vom Zuger Kantonsspital haben an die neue
Methode geglaubt. «Christoph Weber ist
vor rund drei Jahren in meinem Büro
gestanden», erzählt Schmied. Zuerst
habe er schon etwas gestutzt. Doch als
Weber seinen Koffer ausgepackt und
seine neue Methode präsentiert hat,
habe er seine Meinung revidiert. «Ich
habe gemerkt, dass er es geschafft hat,
die patientenspezifischen Blöcke mit der
Kniebalance zu verbinden. Endlich ist
die Brücke geschlagen worden.»
Die neue Operationstechnik kommt
2015 nun weltweit auf den Markt. Doch
um sie bekannt zu machen, reichen die
Begeisterungsfähigkeit von Weber, Tommasino und Schmied nicht aus. In langwierigen Verhandlungen hat Weber sein
Patent an die Firma Microport verkauft.
«Das Unternehmen setzt voll auf die
Erfindung», erklärt Weber. An Matthias
Schmied ist es nun, die Methode international bekannt zu machen. Im September waren zahlreiche Schweizer Ärzte an einem Symposium im Zuger Kantonsspital und haben eine Knieoperation
live mitverfolgt. «Das Echo war sehr gut»,
sagt Schmied. Kürzlich war das Zuger
Trio zudem Gast an einem internationalen Ärztekongress in Belgien, wo es
ebenfalls viele positive Rückmeldungen
gegeben habe, so Weber. «Nun hoffen
wir auf den internationalen Erfolg.»
Wähler könnten noch einmal an die Urne gebeten werden
ZUG Das Verwaltungsgericht
muss eine Beschwerde gegen
die Regierungsratswahlen
behandeln. Womöglich mit
Folgen für das Stimmvolk.
Seit vorgestern ist klar: Gegen die
Regierungsratswahlen ist eine Wahlbeschwerde eingegangen. Diese wird nicht
vom Regierungsrat, sondern vom Verwaltungsgericht des Kantons Zug behandelt. Dies, weil alle Regierungsräte
betroffen sind und für diese darum ein
Ausstandsgrund besteht (Ausgabe von
gestern). Da stellt sich die Frage, wie es
nun mit dieser Beschwerde weitergeht.
Müssen die Zugerinnen und Zuger noch
einmal an die Urne? Klar ist lediglich:
Wird eine Wahl kassiert, also für ungültig erklärt, haben die bisherigen Mitglieder der Behörde die Amtsgeschäfte
so lange weiterzuführen, bis eine gültige
Neuwahl zu Stande gekommen ist. Dies
besagt der Text des Zuger Wahlgesetzes.
Gericht gibt Vollgas
Doch so weit soll es gar nicht kommen. Denn das Verwaltungsgericht will
Vollgas geben, wie deren Generalsekretär Aldo Elsener verrät: «Wir nehmen
uns der Beschwerde umgehend an und
entscheiden in Berücksichtigung des
Verfahrens und der Rechte aller Beteiligter. Und dies möglicherweise innert
Tagen. Denn die Bürger haben einen
Anspruch darauf, zu wissen, ob das Ergebnis der Wahl gewahrt werden kann
oder nicht.»
Aber was entscheidet das Verwaltungsgericht konkret? «Grundsätzlich ist es
tatsächlich so, dass das Gericht bei einer
allfälligen Gutheissung der Beschwerde
die Wahl kassieren könnte», erklärt Elsener. Zuerst werde untersucht, ob die
Beschwerde begründet sei. Dann müsse
die mögliche ziffernmässige Auswirkung
des Mangels auf das Wahlresultat beurteilt
werden. Erst dann – in Berücksichtigung
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
– werde über eine allfällige Kassation
oder andere Anordnung entschieden. Es
mache einen Unterschied, ob es sich um
einen korrigierbaren Fehler handle oder
nicht. Zu beachten seien immer auch die
Prinzipien der Rechtssicherheit und der
Verhältnismässigkeit. «Eine Wiederholung der Wahl bedeutet immerhin einen
schweren Eingriff. Auf dem Spiel stehe
schliesslich das Vertrauen des Bürgers in
die Demokratie und den Rechtsstaat»,
betont Elsener.
Das Gericht werde alle Fragen prüfen,
die in der Beschwerde gestellt oder als
Anträge vorliegen würden. «Ich kann
aber im jetzigen Zeitpunkt unmöglich
sagen, ob wir zum Beispiel die ungültig
erklärten Stimmen als gültig erklären
und so quasi eine Nachzählung verlangen könnten. Die Frage ist aus Sicht
der Stimmbürger meines Erachtens vor
allem, ob die Wahl sogar wiederholt
werden muss oder nicht», betont Elsener. Würde die Wahl kassiert, müsste
der Regierungsrat sofort eine neue Wahl
organisieren, sagt er. «Und ich würde
mir in diesem Fall wünschen, dass die
Wahl schon am 30. November über die
Bühne ginge – wenn bereits in zwei
Gemeinden Nachwahlen stattfinden.»
Weiterzug möglich
Wie realistisch eine erneute Wahl ist,
bleibt aber trotzdem unklar. «Ich gehe
davon aus, dass jedermann gegen unseren Entscheid beim Bundesgericht Beschwerde führen kann. Es reicht hierfür
aus, in unserem – wie auch immer
ausfallenden – Entscheid eine Stimmrechtsverletzung zu erblicken», sagt Aldo
Elsener. Dann würde das juristische
Seilziehen um die aufschiebende Wirkung beginnen. Damit ist absehbar, dass
das Thema die Zuger wohl noch länger
beschäftigen wird.
CHARLY KEISER
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Regierung weist
Vorwürfe zurück
WAHLEN red. Die Zuger Regierung
nimmt Stellung zu den Vorwürfen,
die Anwalt Raffael Weidmann in
der gestrigen Ausgabe der «Neuen
Zuger Zeitung» erhoben hat. Er hatte den Verdacht geäussert, Manuela Weichelt habe sich – als Vorsteherin der Direktion des Inneren
– bei der Gestaltung des Informationsbeiblattes zu den Wahlen einen
Vorteil verschaffen wollen. Die Regierung bezeichnet diese Unterstellung als haltlos. Hintergrund: Hohe
9,4 Prozent der Wahlzettel für den
Regierungsrat wurden letzten
Sonntag für ungültig erklärt.
Weichelt erreichte nur 205 Stimmen
mehr als ihr härtester Konkurrent.
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