close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

null;pdf

код для вставкиСкачать
Westfalenpost vom 14.10.2014
Autor:
Seite:
Ressort:
Rolf Hansmann
3
Mantel Regional
Ausgabe:
Gattung:
Auflage:
Rubrik:
Weblink:
WP Siegen
http://www.funkemedien.de
Reichweite:
WP Siegerländer Morgenzeitung | WP Mantelteil
Tageszeitung
110.418 (gedruckt) 100.077 (verkauft)
102.220 (verbreitet)
0,33 (in Mio.)
„Auch Richter sind Menschen“
Willi Erdmann, Vorsitzender der Schwurgerichtskammer am Landgericht Arnsberg, geht Ende
Oktober in den Ruhestand
Von Autor: Rolf Hansmann
gabend verlor.“
Arnsberg.
„Je emotionaler ein Fall ist, umso sachlicher muss man mit ihm umgehen“, ist
das Credo des Arnsbergers. „Das wünsche ich mir auch für die Berichterstattung in den Medien.“ Zuletzt hat ihn der
Fall der jungen Frau aus Soest aufgewühlt, die ihr Kleinkind verhungern und
verdursten ließ. „Das nimmt einen schon
mit“, sagt der Vater eines erwachsenen
Sohnes. „Auch Richter sind Menschen.“
Sein „Rettungsanker“ für einen professionellen Umgang war immer die enge
Anlehnung an das Gesetz, das System
der Strafprozessordnung.
Die Fragen aus seiner Umgebung häuften sich: Wie lange er denn noch
machen müsse? „Auf diese Weise
wurde ich gedanklich auf meinen Ruhestand vorbe-reitet“, sagt Willi Erdmann,
Vorsitzender Richter der
Schwur-gerichtskammer am Landgericht
Arnsberg. Am 31. Oktober ist sein letzter Arbeitstag nach 43 Jahren im öffentlichen Dienst. „Das Auge lacht mehr, als
dass es weint.“
Der 65-Jährige empfängt den Besuch in
seinem Dienstzimmer im ersten Stock
des Gerichtsgebäudes. Er wirkt aufgeräumt, verspricht, bis zum letzten
Arbeitstag seine Pflicht im Namen des
„manchmal erstaunten Volkes“ zu tun.
„Mir werden die Diskussionen über die
Lösung der Fälle mit den sehr qualifizierten jungen Kollegen fehlen“, sagt er.
Die Kollegialität und der freundliche
Umgang im Landgericht bis hin zu den
Mitarbeitern in der Geschäftsstelle und
den Wachtmeistern. „Dagegen werde
ich die unmittelbare Konfrontation mit
dem Leid von Menschen sicher nicht
vermissen.“
Der gebürtige Duisburger hat, nach
langjähriger Tätigkeit in der Zivilkammer, die 2. Große Strafkammer 14 Jahre
lang geleitet und festgestellt, dass sich
die Zahl der schweren Straftaten nicht
auffällig verändert hat. „Aber der
Respekt vor der Unversehrtheit des
Anderen ist geringer geworden“, sagt
der Jurist, der seit 1978 Richter ist und
dann 1979 zum Landgericht Arnsberg
kam.
Die Unabhängigkeit des Amts
Nach dem Jurastudium, Referendariat
und als wissenschaftlicher Assistent an
der Ruhr-Uni Bochum und der FernuniDie schweren Fälle
versität Hagen entschied er sich, RichEs sind Morde, Misshandlungen, Verge- ter zu werden. „Der Hauptgrund war die
waltigungen und Raubüberfälle, mit der Unabhängigkeit dieses Amts.“ Die habe
sich eine Schwur-gerichtskammer er an jedem Arbeitstag gespürt: „Es hat
beschäftigen muss. Die schweren, nie einen Einfluss von außen gegeben.“
öffentlichkeitswirksamen Fälle, die
Willi Erdmann zu einem bekannten Juri- Und wieso Arnsberg? Erdmann lächelt:
sten gemacht haben - die aber auch Er habe „raus“ aus dem Ruhrgebiet woleinem erfahrenen Richter wie ihm nahe len, in die Peripherie. „Arnsberg hatten
gehen. „Kurz vor Weihnachten muss ich meine Familie und ich eigentlich nicht
immer an die Tränen der Mutter aus auf dem Schirm.“ „Aber“, so fügt er
dem Großraum Winterberg im Zeugen- sofort hinzu, „wir haben es nicht einen
stand denken, die ihren Sohn bei einem Tag bereut, ins Sauerland gegangen zu
-Kapitalverbrechen einen Tag vor Heili- sein.“
Der Vorsitzende der Schwur-gerichtskammer scheint mit sich im Reinen und
will die letzten Arbeitstage noch
„anständig“ über die Bühne bringen.
Nein, er wolle keinem zu nahe treten,
aber die -Tarif-Diskussionen vor einiger
Zeit unter anderem um die Bezüge von
Richtern seien nicht glücklich -gewesen.
„Eine Regierung sollte vermeiden, dass
diejenigen das -Gefühl bekommen, ungerecht -behandelt zu werden, die sich -professionell mit Gerechtigkeit -beschäftigen.“
Erdmann freut sich auf den -Ruhestand.
Er will häufiger mit seiner Frau Urlaub
an der Nordsee und in Irland machen,
mit seinem Oldtimer durch Deutschland
-fahren und weiter als Sänger mit seinen
Musikfreunden auftreten. Der 65-Jährige ist Mitglied im Ruhrtaler Doppelquartett und im Ensemble
„Seitenklang“. Er muss sich also keine
Sorgen um den -Ruhestand machen: „Die
ganz -große Langeweile werde ich nicht
bekommen.“
Eine lange berufliche Karriere geht zu
Ende. Willi Erdmann ist -sicher, dass es
auch nach ihm in der Schwurgerichtskammer sehr qualifiziert weitergehen
wird. „Die Bürger im Sauerland und in
der Börde können sich weiter auf ihr
Landgericht verlassen.“
Zitat: Das Auge lacht mehr, als dass es
weint. Willi Erdmann, Vorsitzender
Richter am Landgericht Arnsberg
Bild 1:
Willi Erdmann zieht Ende Oktober für
immer seine Richter-Robe aus.
Foto: Ted Jones
Wörter:
Urheberinformation:
© 2014 PMG Presse-Monitor GmbH
647
FUNKE MEDIENGRUPPE GmbH & Co. KGaA
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа