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● EPPENDORFER 10 / 2014
G E R O N T O PSYC H IAT R I E / ALT E N H I LF E
Einfach mal paradox und
„verrückt“ reagieren
Auf der Bühne des Lebens – Schauspieler schult Pflegekräfte in
Kreativer Kommunikation mit Demenzkranken
Demenz gleicht einem Theater,
das auf der Bühne des Lebens
spielt – sagt ein Sprichwort. Aber
wie können Angehörige und
Betreuer in diesem Stück mitspielen? Mit viel Kreativität und
Achtsamkeit, empfiehlt Christof
Düro. Der Schauspieler bot in
Kiel ein Kommunikationsseminar für Pflegekräfte und Angehörige an. Sein Credo: Fantasie
und Kreativität bringen Lichtblicke in den Alltag, der voller
Herausforderungen ist.
KIEL. Sicher, es braucht Mut,
Sichtweisen zu ändern, um Schritte
auf unbekannten Wegen zu wagen.
Aber wer bereit ist sich einzulassen,
wird nicht ärmer, sondern reicher.
Christof Düro hat sich, wie er sagt,
auf den Weg gemacht, um „erst einmal alles kräftig durcheinanderzuschütteln“. Ihn interessiere die
Möglichkeit, immer und zu jeder
Zeit „alles“ in Frage stellen zu können. Neu und anders zu denken, um
über den eigenen Schatten zu springen. Das klingt nach Chaos. Ist es
aber nicht – das beweisen die Rückmeldungen, die Düro erhält. Längst
ist der Schauspieler, der lange Improvisationstheater gemacht hat, ein
gefragter Lehrer. Nach Kiel ist er auf
Einladung des Kompetenzzentrums
Demenz (Norderstedt) und der Kieler AWO-Beratungsstelle Demenz
und Pflege gekommen.
Die eigene Wahrnehmung und
Kommunikationsfähigkeit ist bei der
Arbeit und im Umgang mit Demenzkranken sehr wichtig, unterstreicht Anne Brandt vom Kompetenzzentrum Demenz. Ein Beispiel:
Dementiell veränderte Menschen,
ihre Angehörigen und Pflegekräfte
haben oft ganz unterschiedliche Vorstellungen, um beispielsweise zwei
Stunden zu gestalten. Die Ehefrau
will etwa in Ruhe zum Friseur
gehen, der Betreuer hat sich vorgestellt, dass der Erkrankte doch wie
immer Briefmarken sortieren soll.
Nur der hat gar keine Lust.
Christof Düro ermuntert die Seminarteilnehmer, in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen – um
dann festzustellen, wie anstrengend
es ist, den Erwartungen gerecht zu
S eit e 15
Weiße Liste
informiert über
Pflegedienste
GÜTERSLOH (epd). Das Portal
„www.weisse-liste.de“ hat sein Beratungsangebot um die ambulanten
Dienste ausgeweitet, teilte die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh mit. Die
Website informiert über das Angebot
und die Servicequalität von rund
13.000 Pflegediensten in ganz
Deutschland. Ratsuchende können
unter anderem die persönlichen Kosten
kalkulieren, erklärte die Stiftung. Ein
neuer interaktiver Online-Pflegeplaner
helfe zu ermitteln, welche Unterstützung Pflegebedürftige beispielsweise
bei der Körperpflege oder im Haushalt
benötigen und welche dazu passenden
Leistungen von Pflegediensten angeboten werden. Angezeigt würden Ratsuchenden nur solche Dienste, die ihren
Wohnort tatsächlich anfahren, hieß es.
Das Portal ist ein gemeinsames Projekt
der Bertelsmann Stiftung und der
Dachverbände von Patienten- und Verbraucherorganisationen.
Pflege im
EU-Vergleich
Sie werben für eine entspannte und kreative Art der Kommunikation: Katrin Maretzek, Anne Brandt, Rita Erlemann
und Christof Düro (von links).
Foto Heckmann
werden. Derjenige, der den Demenzkranken zu spielen hatte, sagte,
dass er sich wie ein Ping-Pong-Ball
fühlte, der immer in Bewegung bleiben musste. Düro lässt in seinem Seminar solche Szenen nachspielen.
„Da spürt man wie es sich anfühlt,
Seminarteilnehmer
müssen in fremde Rollen
schlüpfen
wenn man angefasst, angeschrien
oder gestreichelt wird.“
Düro spricht von kreativer Kommunikation. Es gehe darum, sich in
bestimmten Momenten selbst zu
spüren. Sein Tipp: „Nimm die
Dinge, wie sie kommen.“ Man solle
sich im Jetzt verankern und nicht
nach vorne oder nach hinten denken.
Ein wenig Anarchie ist dabei erwünscht. Querdenken ebenso, das
nicht urteilt und bewertet, sondern
dem Erkrankten und deren Angehörigen mit Verständnis, Lösungsmög-
lichkeiten und Fürsorge begegnet.
Als ein Beispiel aus der Praxis
nennt Christof Düro jene Gruppe, in
der eine Helferin einmal in der
Woche morgens die Zeitung vorlesen sollte. Aber es gab ein Problem:
„Zwei ältere Damen haben immer
nur gemeckert und alle anderen gestört. Wir haben das dann improvisiert und kamen dabei auf die Idee,
dass alle erst einmal alle zehn Minuten meckern dürfen und dann erst
vorgelesen wird.“ Die Helferin probierte das aus. Ergebnis: Die beiden
Damen hätten tatsächlich nicht mehr
gemeckert. Die Helferin konnte nun
in Ruhe vorlesen. Allerdings wollte
niemand die aktuellen Zeitungsgeschichten hören. Jetzt liest sie einfach Märchen vor.
Ihm gehe es darum, paradox und
„verrückt“ reagieren zu können, sagt
Christof Düro. Das kann manchmal
sehr helfen. Er nennt dies das „Prinzip der Achtsamkeit“: Wer achtsam
für eigene Bedürfnisse ist, ist es
auch für die Bedürfnisse anderer.
Dazu gehören auch konfliktreiche
Momente.
Die Zahl der Menschen mit Demenz wird in den kommenden Jahren noch weiter steigen. Damit
steigen auch die Anforderungen an
die Menschen, die die Betroffenen
pflegen und begleiten. Wie Anne
Brandt, Rita Erlemann und Katrin
Maretzek von der AWO-Beratungsstelle Pflege und Demenz versichern, seien Fortbildungen wie die
in Kreativer Kommunikation ein
Weg, den Druck zu mindern, Lebensqualität zu ermöglichen. Und
dies sei nicht eine Frage des Geldes.
Dazu Christof Düro: „Die Begegnungen mit dementiell veränderten
Menschen sind immer neu und anders. Da gibt es leider keine Rezepte. Ich ermutige gerne zum
Konflikt – und gegen die Schonung,
gegen das Leben in den Normen.“
Da mag der eine sich eben nicht
mehr kämmen lassen, und der andere hat nun mal Übergewicht.
Wichtig sei, dass etwas in den Fluss
komme. Vor allen Dingen brauche
es Kraft und Lust darauf, sich jeden
Tag dieser Arbeit zu stellen.
Annemarie Heckmann
WITTEN (epd/rd). Die Pflege von
Demenzkranken in einem Heim ist in
Europa einer Untersuchung zufolge im
Durchschnitt doppelt so teuer wie die
Versorgung zu Hause. Der Kostenvergleich von rund 2000 Patienten habe
gezeigt, dass sich vor allem mit Blick
auf die Langzeitpflege die stationären
Pflegekosten gegenüber der Pflege zu
Hause verdoppeln könnten, teilte die
Universität Witten-Herdecke mit. Die
Forscher verglichen die Daten von Patienten in Estland, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, den
Niederlanden, Spanien und Schweden.
Die Kosten für die stationäre Pflege beziffern die Wissenschaftler im europäischen Durchschnitt auf 4491 Euro im
Monat, die Kosten für eine Versorgung
zu Hause durch Angehörige und ambulante Kräfte auf 2491 Euro.
In der Qualität der Pflege gibt es der
Universität zufolge erhebliche Unterschiede. So werden freiheitsentziehende
Maßnahmen in Pflegeheimen in Spanien mit 83 Prozent der Befragten in
Heimen am häufigsten angewendet.
Der EU-Durchschnitt liege bei 32 Prozent. Die meisten Druckgeschwüre
kamen in Estland vor – mit 14 Prozent
der Befragten berichteten davon doppelt
so viele wie im Durchschnitt. Psychopharmaka wurden am häufigsten in
Frankreich (90 Prozent) und Spanien
(81 Prozent) verabreicht. Die EUDurchschnittswert lag bei 70 Prozent.
100 Fehler im Umgang mit Demenzkranken
Fehler 47: Falsche Aussagen werden umgehend richtiggestellt
Wir sind es im Alltag gewöhnt, dass
vor allem Fakten zählen: Was hat jemand gesagt, was hat jemand getan ...
und wir nehmen diese Worte unseres
Gegenübers wahr und ernst. Reagiert
jemand ganz anders, als er zuvor gesagt hat, fühlen wir uns irritiert oder
gar gekränkt. Dieses Verhalten ist für
uns im Alltag normal.
Begleiten wir Menschen mit Demenz, werden wir häufig in Situationen kommen, in denen der
Pflegebedürftige Aussagen, die er vor
einigen Augenblicken getroffen hat,
nicht mehr erinnert oder in denen er
womöglich kurze Zeit später genau
das Gegenteil behauptet.
Diese Erinnerungslücken sind
Symptome einer Demenz. Interessanterweise haben wir häufig beobachtet,
dass Pflegende trotzdem versuchen,
dieser Situation auf der „Faktenebene“
zu begegnen.
Fallbeispiel: Eine Bewohnerin entschließt sich, das Angebot einer Beschäftigungstherapeutin anzunehmen
und leistet ihr Gesellschaft, während
die Therapeutin ein Bild malt. Die
Therapeutin versucht, die Pflegebedürftige in ein Gespräch zu verwickeln
und fragt sie, was sie nun malen soll.
Die Pflegebedürftige entscheidet sich
Serie
für Birnen. Die Therapeutin malt und
... die Pflegebedürftige sagt zum
Schluss, dass ihr ausgerechnet Birnen
gar nicht gefallen. Die Therapeutin
versucht sich damit zu verteidigen,
dass sie doch nur gemalt hätte, was
die Pflegebedürftige gewünscht hat.
Die Pflegebedürftige schüttelte über
solche Aussagen nur entsetzt den
Kopf. Das kann sie unmöglich gesagt haben, denn dieses Obst vertrage sie schon seit Kindertagen
nicht. Gleiche Situationen können
auftreten, wenn es um die Frage
geht, ob der Pflegebedürftige schon
gefrühstückt hat oder nicht, und
Pflegende erleben häufig, dass Fakten nicht weiterhelfen, sondern eher
den Konflikt schüren.
(Entnommen aus: Jutta König, Claudia Zemlin: „100 Fehler im Umgang
mit Demenz und was sie dagegen tun
können“, Brigitte Kunz Verlag, Hannover 2008, ISBN 978-89993-464-9, 9,90
Euro.
Jutta König ist Altenpflegerin, Heimleiterin und Wirtschaftsdiplombetriebswirtin und als Sachverständige
verschiedener Sozialgerichte sowie als
Dozentin und Beraterin tätig.
Dr. Claudia Zemlin ist klinische Psychologin, Therapeutin sowie Gerontologin und leitet den Fachbereich
demenzielle Erkrankungen bei der Vitanas Gruppe.
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