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ABWASSER
Neue Frist für die Umsetzung
einer ziemlich alten Regel
Strassensammler müssen regelmässig geleert werden. Meist wird das belastete Abwasser
vom Schlamm getrennt und danach in den Sammler zurückgeleitet. Der Bund will das ändern.
Weil sich einige Kantone und Saugwagenunternehmer querstellten, wird das Vorhaben vertagt.
massiver Widerstand. In einem Rundschreiben von Ende September, das der
«SG» vorliegt, teilt das Bundesamt mit:
Das Vorhaben «hat trotz Einbezug der
Branche heftige Reaktionen ausgelöst».
Aus diesem Grund hätten die Kantone
und das Bafu an einer Tagung beschlossen, dass die Frist bis Ende 2016 verlängert wird.
gen für die Vergabe von Schachtreinigungsaufträgen, an denen sich später
auch die Gemeinden orientieren können. Studer sagt: «Wir sind für die Umsetzung des Gesetzes zuständig, wollen
dabei aber exorbitante Mehrkosten vermeiden.» Angesichts des Umstands,
dass in der Schweiz nur wenige solcher
Saugwagen mit Flockungsanlagen zu
finden seien, ist die Nachhaltigkeit infrage gestellt. «Es ergibt keinen Sinn,
wenn die Saugwagen Hunderte Kilometer fahren, damit die Vorschrift eingehalten werden kann.» Hinzu kommt im
Kanton Bern ein weiteres Problem. Das
eigentliche Nadelöhr ortet Studer bei
«Unsere Kanalisationen stinken nicht»,
sagt Hans Lamp, Leiter Entwässerung,
Entsorgung und Recycling der Stadt Zürich. Der Grund dafür ist die spezielle
Konstruktion der Strassenschächte.
Denn statt direkt in die Kanalisation
werden die Schächte über ein seitlich
angebrachtes sogenanntes Bogenrohr
entleert. Dabei ist die Rohröffnung vollständig in den zur Hälfte mit Wasser gefüllten Schacht eingetaucht. «Durch
diese Konstruktion bleibt der Eingang
zur Kanalisation ähnlich wie beim Siphon im Lavabo luftdicht verschlossen;
üble Kanalgerüche werden zurückgehalten», so Lamp.
In Bern fehlen die Entsorgungsstellen
Der Berner Kantonsoberingenieur Stefan Studer sagte gegenüber der «SG»,
im Kanton Bern sei man aktuell daran,
die Umsetzung zu erarbeiten. Dazu gehören kantonale Submissionsunterla-
Das Bafu toleriert provisorische Lösung
Allerdings sammelt sich in den Schächten Strassenschmutz, der regelmässig
mit Saugwagen abgepumpt werden
muss. Da der Schlamm neben harmlosen Bestandteilen wie etwa Sand auch
Schwermetalle wie Blei, Zink und Kupfer sowie Kohlenwasserstoffe enthält,
muss er gemäss der Verordnung über
den Verkehr mit Abfällen (VeVA) als
Sonderabfall entsorgt werden. Die
meisten Saugwagen trennen das Wasser und die festen Bestandteile. Abpressen heisst das Verfahren. Das kontaminierte Wasser wird danach in die
Kanalisation zurückgepumpt. Schon
2001 erklärte das Bundesamt für Umwelt (Bafu), dass dieses Verfahren nur
provisorisch geduldet werde: «Das Verwenden von abgepresstem Wasser zur
Wiederbefüllung der Schächte ist wegen des Schadstoffgehalts grundsätzlich nicht erwünscht und wird nur toleriert, solange keine besseren technischen Lösungen auf dem Markt sind.»
Seit einigen Jahren sind Saugwagen
auf dem Markt (vgl. S. 35), welche die
Schadstoffe im Wasser chemisch reinigen. Die technische Lösung, welche den
Aufschub begründete, ist also längst
verfügbar. In einem Rundschreiben vom
Februar 2013 machte das Bafu Druck
und verlangte ultimativ, dass die Praxis
nun «ohne Übergansfrist umzusetzen
ist». Nun kaum ein Jahr später muss das
Bundesamt zurückkrebsen, Grund ist
Dank Flockungsanlage kann dieser Saugwagen mehr Wasser abpressen.
Auf einer Tour lassen sich doppelt so viele Schächte reinigen.
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Bild: Clarex
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ABWASSER
der Entsorgung der mit Flockungsmitteln belasteten Schlämme: «Viele Entsorgungsstellen sind nicht entsprechend eingerichtet.» Der Schlamm aus
den Strassensammlern kann im Kanton
Bern an drei Standorten angeliefert
werden. Die Anlage in Jaberg etwa
wird von der Thuner AG für Abfallverwertung AVAG betrieben. Die Saugwagenschlämme mit Flockungsmitteln
können derzeit noch nirgends entgegengenommen werden. Man sei daran,
die Anlage nachzurüsten, sagt Marketingleiter Werner Grossen. Doch die Verarbeitung des Materials sei aufwendig:
«Die Betriebskosten werden mit Sicherheit steigen. Entsprechend höher fallen
die Entsorgungskosten aus.»
Graubünden will differenzierte Regeln
Kritik kommt auch aus dem Kanton
Graubünden. Peter Vieli ist Chemiker
und Sachbearbeiter Abfall/Sonderabfall
des Amts für Natur und Umwelt Graubünden. Er sagt: «Die Technik mit den
mobilen Aufbereitungsanlagen ist unseres Erachtens noch nicht ausgereift.»
Vor allem das Einstellen des Flockungsmittels sei nicht einfach. Weil die Fahrzeuge relativ gross und über 40 Tonnen
schwer seien, sei es in vielen Gemeinden schwierig, sie einzusetzen. Etwa
wegen der engen Verhältnisse in den
kleinen Gemeinden und den Gewichtsbeschränkungen auf den Zufahrtsstrassen. Auch er befürchtet, dass die Kosten
mit der neuen Regelung steigen werden. Auch die Kritik, dass die neuen
Fahrzeuge zu schwer sind, wurde vom
Bafu aufgenommen. Die Kantone würden gebeten, «im Rahmen der Cercles
déchets einen Vorschlag auszuarbeiten,
wie Schächte auf gewichtsbeschränkten
Strassen zu behandeln sind», heisst es
im Rundschreiben.
Intervall senken ist keine Lösung
Vieli befürchtet, dass die Auflage die
des Bafu letztlich kontraproduktiv ist:
«Vermutlich wird das Unterhaltsintervall
bei den Strassenschächten massiv gesenkt.» Für Stefan Studer ist das keine
Lösung, weil die Folgekosten enorm
seien. «Wird die Schachtreinigung vernachlässigt, drohen Verstopfungen der
Entwässerungsleitungen und die Gefahr von stehendem Wasser auf der
Strasse.» Im Kanton Bern, der massiv
sparen muss, seien die Leerungsintervalle teilweise schon verlängert worden.
Das unterstützt Peter Vieli: «Es würde
Sinn ergeben, wenn es eine Abhängigkeit des Intervalls zum durchschnittlichen Verkehrsaufkommen gäbe, denn
dieses ist für den Verschmutzungsgrad
des Schlamms mitverantwortlich.»
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Strassenschächte müssen regelmässig ausgesaugt werden.
Handlungsbedarf ist gegeben
Der Entscheid des Bafu, die Umsetzung
der alten Regel zu vertagen, wird jedenfalls begrüsst. Stefan Studer sagt auch,
warum: «Es ist die Chance für alle Beteiligten, sich auf die neue Situation einzustellen.» In keinem Fall dürfe der Auf-
Bilder: Clarex
schub nun dazu dienen, die Hände in
den Schoss zu legen. «Denn der Handlungsbedarf ist klar gegeben.»
Peter Camenzind
Dank integrierter Kläranlage ist das Rückspülwasser klar und weitgehend giftfrei.
Dies entlastet die kommunalen ARA, ob das auch fürs Budget gilt, ist strittig.
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KOMMUNALTECHNIK
Teurer, aber deutlich wirtschaftlicher
Seit einem halben Jahrzehnt ist eine
neue Generation von Saugwagen auf
dem Markt, die mit integrierten Kläranlagen ausgerüstet sind. Diese behandeln das Abpresswasser mit einem sogenannten Flockungsmittel. Dadurch
werden die im Wasser enthaltenen
Feinpartikel und Giftstoffe gebunden
und können abgetrennt werden. Ergebnis ist ein weitgehend schadstofffreies
Rückspülwasser, das problemlos in den
Schacht zurückgeleitet werden kann.
Zudem lässt sich der Schlamm im Fahrzeugtank viel stärker als bei herkömmlichen Fahrzeugen eindicken. Dadurch
dauert es etwa doppelt so lange, bis das
Fahrzeug voll ist. Dementsprechend
kann pro Tour eine deutlich grössere
Zahl von Schächten bedient werden. Die
Mökah AG in Henggart (ZH), die als
privates Kanalisations- und Strassenwerterhaltunternehmen Schachtreinigungen für Gemeinden und Kantone
durchführt, hat seit 2009 ein Fahrzeug
mit mobiler Aufbereitungsanlage in
Betrieb. Dieses Frühjahr folgte das
zweite Fahrzeug. «Die Technologie funk-
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tioniert mittlerweile hervorragend. Es
gelangt nur Wasser in den Strassensammler zurück, das die Anforderungen der Gewässerschutzverordnung
erfüllt», sagt Geschäftsinhaber Jürg
Möckli. Allerdings sei die Investition in
neue Fahrzeuge kostspielig, und die Anforderungen ans Personal nähmen zu.
Langfristig aber sei die Schachtentleerung mit einer mobilen Aufbereitungsanlage nicht teurer als bisher, so Möckli.
Zürich beschafft ein zweites Fahrzeug
Ähnlich tönt es bei der Clarex Schweiz
AG in Baar, die ebenfalls seit mehreren
Jahren über Fahrzeuge mit der neuen
Technologie verfügt: «Die Vorteile für
die Gemeinden liegen auf der Hand»,
sagt Geschäftsführer Dieter Stebler. «Da
mehr Wasser in die Schächte zurückgeleitet werden kann, sinken Entsorgungsvolumen und -kosten. Gleichzeitig reduzieren sich dank längerer Sammeltouren die Transportkosten.» Dass
nur noch gereinigtes Wasser in die
Schächte zurückgepumpt werde, entlaste zudem die kommunalen Abwas-
serreinigungsanlagen, die nun nicht
mehr durch konzentrierte Schadstoffe
aus dem Schachtwasser belastet würden. Auch die Stadt Zürich hat seit einiger Zeit ein neues Saugfahrzeug in Betrieb – mit durchwegs positiven Erfahrungen: «Es braucht zwar eine Anlaufzeit, bis ein Chauffeur die nötige
Routine hat. Danach ist der Betrieb aber
effizient und störungsfrei», sagt Hans
Lamp. Ein Fahrzeug mit Flockungsanlage sei mit etwa 900 000 Franken in
der Anschaffung zwar ein Drittel teurer
als ein normales Saugfahrzeug. «Doch
weil die Schlammentsorgung unabhängig vom Wasseranteil 140 Franken pro
Kubikmeter kostet, arbeiten die neuen
Fahrzeuge unter dem Strich langfristig
deutlich wirtschaftlicher als herkömmliche Fahrzeuge», so Lamp. Die Stadt
Zürich will daher in Kürze ein zweites
Fahrzeug für die Reinigung ihrer rund
35 000 Strassenschächte anschaffen.
Elias Kopf
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